Es gibt unterschiedliche, inhaltliche Bedeutungen der “Pilgerreise”, oder auch “Wallfahrt”. Klammert man den umgangssprachlichen Sinn (wie etwa: »Wir pilgerten bei Affenhitze zum nächsten Schwimmbad … «) einmal aus, beschreibt die eigentliche Bedeutung der Wallfahrt immer die Reise zu einem, als heilig geltenden Ort. Aus heutiger Sicht muß dabei ein heiliger dieser Ort nicht unbedingt mit Religion an sich zu tun haben: »Die Pilgerreise zum Grab von Jim Morrison.« (siehe Blogeintrag: Beispiel “Grab von Jim Morrison“) kann somit die selben Gründe, wie beispielsweise die nach Stonehenge (Megalith-Kultur), Hiroshima oder Compostella haben:
Anbetung des Ortes
die Suche um spirituellen Beistand
Buße für vergangene Sünden
Lobpreisung
Erlangen von Seelenfrieden, materiellen Güter, Wohlstand
aus Dankbarkait (Genesung von Krankheit o. ä. Leiden)
In der katholischen Glaubenslehre, nach dem Neuen Testament, beschreibt der >Pilgerstand< das irdische Leben des Menschen, als der Prüfstand, in dem er als Pilger sein ewiges Heil erwirken muß (nach 2. Kor. 5,6; 1.Petr. 2,11). Die “Heimat” der Gläubigen liegt demanch im Himmel (Phil. 3, 20), in der Welt sind sie “Fremde” (Hebr. 11,13;1.Petr. 1.1), auf der Wanderung zur himmlischen Stadt (Hebr. 13,14). In der katholischen Theologie hat entsprechend der Kirchenlehre des zweiten Vatikanischen Konzils (1962-1965) die vom Hebräer-Brief abgeleitete Beschreibung der Kirche als des pilgernden Gottesvolkes das frühere Bild des Leibes Christi sehr zurückgedrängt. Durch den Protestantismus bekam das Wort Pilgerreise eine zusätzliche Sinnaufladung, nämlich die, daß das ganze Leben eine Annäherung zu Gott sei. Eine irdische Wallfahrt des Christen nach der himmlischen Heimat.
Joan Evans beschreibt in seinem Buch “Blüte des Mittelalters” (S. 38; Droemer-Knaur Verlag, München, Zürich, 1966) das Phänomen, das die Wallfahrt neben dem Kirchenbau ein beliebtes Mittel war, sich einen Platz im Himmel zu sichern. Die geistlichen Schätze des mittelalterlichen Abendlandes waren unerschöpflich. Jede Kirche hatte ihre Reliquien. Die meisten großen Kirchen besaßen ein Reliquiar mit den Gebeinen eines Lokalheiligen, der Pilger aus dem ganzen Land anzog. Auf S. 29 schreibt ferner: Die Pilgerfahrt konnte ein Akt der Buße sein, ein Beweis der Frömmigkeit, für manche aber auch eine Art Ferienreise. Reich und arm traten sie an – die Welt des Abtes Suger und die des heiligen Franziskus trafen zusammen. Der Pilger verzichtete auf jeden weltlichen Luxus. Die heiligen Stätten aber, an denen er vorbeikam, erstrahlten in der Pracht kostbaarer Reliquiare und herrlicher Kunstwerke. Im Kreuzgang von Santo Domingo de Silos, an der Pilgerstraße nach Compostella gelegen, ist Christus im Pilgergewand, mit Pilgertasche und Muschel, dem Symbol der Compostella Wallfahrt dargestellt (vgl. untere Abbildung).

Bildquelle: Uni Bonn
Desweiteren beschrieb Evans (S.39): “Der Lohn einer Pilgerfahrt war nicht ausschließlich geistlicher Art. Mittelalterliche Schriftsteller und Dichter (vor allem Geoffrey Chaucer) lassen durchblicken, daß die Pilger auch auf einiges Vergügen hofften. Ähnliches berichtet Harpe Kerkeling in seinem Buch “Ich bin dann mal weg – Meine Reise auf dem Jakobsweg” (Piper Verlag, München, 2006) indem er den Pilgerweg mit einem Heiratsmarkt vergleicht auf dem Jungesellinnen aus Südamerika auf Männerfang gehen.
Egal, welche Idee man verfolgt, die Pilgerreise bleibt immer der Weg zu einem Ziel, dass nicht unbedingt ein geografisch fix sein muß. Oftmals reicht es aus, wenn der Weg dem Ziel entspricht (»Der Weg ist das Ziel.«).