Konfuzianismus und Taoismus (grundsätzliches)
Januar 30th, 2007 by Felix Hardmood BeckFolgender Text ist (teilweise gekürzt) aus folgender Webseiten entnommen
und von mir mit Anmerkungen, Grafiken, Bildern und Querverweisen versehen worden:
Glaubensformen in China. Gewöhnlich werden Konfuzianismus und Taoismus als die beherrschenden Religionen Chinas bezeichnet. Beim Konfuzianismus sowie dem ursprünglichen Taoismus handelt es sich jedoch um Philosophien, wobei letzterer später rituelle und kosmologische Elemente in sich aufnahm. Konfuzius und seine Nachfolger waren in ihrer Philosophie weniger auf die Achtung der Götter als auf praktische Handlungsanweisungen für das weltliche Leben ausgerichtet. Der konfuzianische Tempel besteht nur aus einem Raum, in dem die Begründer des Konfuzianismus verehrt werden. Die Glaubensformen des größten Teiles der chinesischen Bevölkerung, die polytheistische Züge tragen und als Volksreligion bezeichnet werden, unterscheiden sich jedoch wesentlich von den Philosophien der traditionellen konfuzianischen Elite.
Spätere Taoisten übernahmen viele der Kulte und Rituale des volkstümlichen chinesischen Glaubens und nach dem 2.Jahrhundert n.Chr. auch das vom Buddhismus entlehnte religiöse System. Dabei bildete sich im Gegensatz zum ursprünglichen philosophischen Taoismus eine eigenständige Richtung, ein religiöser Taoismus, heraus, als dessen Vertreter die chinesischen Denker des Altertums Laozi und Zhuangzi gelten. Dieser Gegensatz innerhalb des Taoismus fand seinen Niederschlag in der formalen Trennung zwischen den „kleinen Riten“ der verschiedenen Medien, Exorzisten und Kulte der volkstümlichen Shenjiao-Religion (Götter des Geistes) und den „großen Riten“ der taoistischen Priester.
Seit den ältesten Zeiten wurden in der chinesischen Religion sowohl ein Pantheon der Götter – mit Shang Di („Der Herr in der Höhe“) an der Spitze – wie auch die Ahnen verehrt, wobei die vorherrschende Verehrungsform das rituelle Opfer von Nahrungsmitteln und Wein war. Der Ahnenkult der Herrscherhäuser der Shang-Dynastie und der Zhou-Dynastie bestand in Opferzeremonien. Diese fanden in den Ahnenhallen der betreffenden Sippen statt, wobei kunstvoll gestaltete Bronzegefäße verwendet wurden. Die Opfergaben sollten die Seelen der Ahnen ernähren und galten als wesentliche Voraussetzung für das Fortbestehen einer bestimmten Dynastie. Die Könige der Zhou-Dynastie opferten sowohl ihren Ahnen wie auch dem Herrn des Himmels, den sie sich abstrakt als Tian (Himmel) vorstellten. Dieser verlieh den Lehnsherren aufgrund des so genannten Mandats des Himmels (Tian-ming) ihre Legitimität. Staatliche Zeremonien wurden im Mingtang (?) abgehalten, einem geheimnisvollen Gebäude mit rundem Dach auf quadratischem Unterbau, das Himmel und Erde symbolisieren sollte. Innerhalb eines Jahres wurde dieses vom Herrscher einmal umschritten (evtl. vergleichbar mit der Pilgerreise anderer Kulturen ?).
Die Lehnsherren und das gewöhnliche Volk opferten ihren eigenen Ahnen sowie lokalen Natur- und Landwirtschaftsgottheiten. Während der anarchischen Zeit der Streitenden Reiche (403-221 v.Chr.), als die Macht der Zhou-Dynastie verfiel, unterbanden die sich bekämpfenden Prinzen zum Zeichen ihres Sieges die Opferriten der besiegten Gegner. Während der Qin-Dynastie und der frühen Han-Dynastie konzentrierten die herrschenden Schichten ihr Interesse auf das Mandat des Himmels und auf die Legitimierung der politischen Strukturen. In dieser Zeit zogen sich die Anhänger des mystischen, kontemplativen (besinnlichen) Taoismus häufig in Gebirgsregionen zurück. Infolge der Expansion Chinas nach Süden gewannen die Traditionen des Schamanismus, der Zauberei und der Geisterbeschwörung, die dort besonders verbreitet waren, zunehmend an Bedeutung.
(…)
Praktiken, wie die rituellen Orgien bei Neumond, sind altüberlieferte Agrartraditionen, die größtenteils verschwanden. Die Götter wurden der Volkstradition oder lokalen Kulten entlehnt und dem neuen hierarchischen Pantheon (= nach Zuständigkeiten/Funktionen geordnete Gesamtheit aller Götter) beigefügt. 184 n.Chr. rebellierte eine weitere taoistische Glaubensrichtung, die Gelben Turbane, in Shandong. Obwohl der Aufstand niedergeschlagen wurde, entwickelte sich der Tianshidao (?) zum offiziellen Glauben des nach der Han-Dynastie entstandenen Nordstaates Wei (220-265 n.Chr.). Dies führte zur Begründung des organisierten religiösen Taoismus.
Der Einbruch nördlicher Fremdvölker führte zum Zerfall der westlichen Qin-Dynastie (265-316) sowie zur Vertreibung zahlreicher Flüchtlinge in den Süden des Landes, wodurch sich der Tianshidao (?) in den neuen Gebieten verbreitete. Die örtlichen Glaubensformen wurden von der Sekte bekämpft und teilweise auch aufgenommen, während die Bekehrten angesehener südlicher Familien den Tianshidao zunehmend mit südlichen Kulten zu verbinden begannen. Zwischen 346 und 370 verkündete der Prophet Yang Xi (?), unterstützt von vertriebenen südlichen Aristokraten, eine Reihe von Offenbarungen, die ihm angeblich die Unsterblichen des höchsten Himmels zuteil werden ließen. Sein Mao-Shan-Kult (?) verquickte den Tianshidao (?) auf brillante Weise mit südlichen Glaubensformen bezüglich der Berggottheiten aus den Höhlenhimmeln, mit buddhistischen Elementen und jahrtausendealten Prophezeiungen von einer Weltläuterung durch eine erdgeschichtliche Katastrophe. Einige der Tianshidao-Praktiken, wie z.B. die Fruchtbarkeitsriten und Tempelabgaben, wurden zugunsten lokaler Gottheiten (wie des Berggeistes Mao, auf den der Name des Kultes zurückgeht) aufgegeben.
Zu Beginn des 5.Jahrhunderts sollte die taoistische Religion von einer anderen Gruppe von Aristokraten bestimmt werden, die ein System von taoistischen Anschauungen sowie liturgische Zeremonien entwickelten. Aufgrund ähnlicher Entwicklungen im Norden, insbesondere weiterer Offenbarungen Laozis durch den Taoisten Kou Qianzhi aus dem Jahr 415, bildete sich ein reformierter, zum Staatsglauben des nördlichen Wei-Reiches (386-534) erklärter Tianshidao (?) heraus, der von sexuellen und anderen Exzessen befreit war und ein buddhistisches Zölibat umfasste.
Im Zug der Wiedervereinigung Chinas im 6.Jahrhundert unter der Sui- und der Tang-Dynastie verbreitete sich die taoistische Religion über das gesamte Gebiet des gewaltigen Reiches und wurde praktisch zum nationalen Kult erhoben. Vorherrschend war die südliche Tradition des Mao-Shan-Kultes, die den Begründer der Tang-Dynastie, Li Yüan (?), als langersehnten Messias anerkannte. Neben dem Taoismus existierten im Reich auch noch andere Religionen, wie der Buddhismus und die Nestorianerkirche.
(…)
Unter späteren Dynastien wurde in der taoistischen Religion die Lehre von den Drei Religionen (Sanjiao -> Kultstätte der Religionen) entwickelt, welche die Einheit des Konfuzianismus, Taoismus und des Buddhismus vertrat. Die Herrscher der späteren Dynastien beteten jedes Jahr zur Wintersonnenwende im kreisförmigen Himmelsaltar von Peking den Himmel an. Der Altarbau ist zum Himmel hin offen, und die abgehaltene Zeremonie stellt eine Verbindung traditioneller religiöser und kosmologischer Anschauungen dar.
Nach der Regierungsübernahme durch die Kommunisten 1949 war die taoistische Religion wie auch die meisten anderen traditionellen chinesischen Glaubensformen starken Verfolgungen ausgesetzt. Der 63. taoistische Patriarch und Nachfolger Chang Daolings flüchtete nach Taiwan, das seit dem 17.Jahrhundert eine Hochburg des Taoismus war. Taiwan, Hongkong, Singapur, Malaysia und andere Gebiete, in denen sich Chinesen ansiedelten, zählen heute zu den bedeutendsten Zentren einer lebendig gebliebenen taoistischen Religion. Doch haben bestimmte Traditionen auch im chinesischen Mutterland überlebt und erwachten nach den dogmatischen kommunistischen Verfolgungszeiten zu neuem Leben.
Die taoistische Religion bezieht sich auf drei verschiedene Arten verehrungswürdiger Wesen: Götter, Geister und Ahnen. Zu den Geistern gehören oft die vernachlässigten Ahnen, während bedeutende Ahnen oder historische Persönlichkeiten in die Reihen der Götter aufgenommen wurden, wie z.B. Zhang (unter diesem Link findet man 5 Zhangs, die gemeint sein könnten (!?)), der sich zum Kriegsgott Guan Di (?) entwickelte.
Die Verehrung von Göttern und Ahnen dient traditionsgemäß dazu, mit Hilfe der Götter materielle Ziele zu erreichen und oft werden die Bildnisse der Götter und Ahnentafeln zerstört, wenn die Bitten nicht erfüllt werden. Die Verehrung der Götter umfasst gewöhnlich Gebete, das Opfern von Nahrungsmitteln und Weihrauch, ferner das Verbrennen von Bittgebeten (angefertigt nach dem Vorbild rechtlicher und amtlicher Bittschriften) sowie Opfergeld. Ein Großteil dieser Praktiken geht auf die Heilsriten der Tianshidao-Sekte zurück, die sich zur Heilung von Krankheiten an die verschiedenen himmlischen Richter und Beamten der Hierarchie der Gottheiten wandten. Die Götter werden auch durch bildliche Darstellungen sowie kleine Schreine verehrt. Beispiele hierfür sind die neben Laden- und Haustüren angebrachten Abbildungen der Türgötter oder die an Straßen, Brücken und Hochhäusern befindlichen Weihrauchschreine der Tudi (lokale Erdgötter).
Die taoistischen Priester leiten Anbetungszeremonien, die in der Tradition Zhai (Exerzitien) genannt, heute jedoch gewöhnlich als Jiao (Opfergaben) bezeichnet und im Freien unter Rezitationen und Weihrauchopfern abgehalten werden. Dadurch soll der Lebende begünstigt sowie Fürsprache für die Toten bei den Richtern des Jenseits eingelegt werden. Die spektakuläreren Riten des frühen Taoismus, wie z.B. die Bußriten, bei welchen sich die Teilnehmer mit Asche einrieben und sich im Schlamm wälzten, sind heute weitgehend verschwunden. Die Jiao, die regelmäßig in Hongkong und Taiwan abgehalten werden, sind von unterschiedlicher Länge und beinhalten verschiedene Riten, wobei die meisten zwischen drei und fünf Tagen dauern. Die bedeutendsten, die Erneuerung der Tempelgemeinschaft betreffenden Zeremonien finden nur einmal in 60Jahren statt. Es können sowohl lokale Gottheiten wie auch die von einer größeren Allgemeinheit verehrten angebetet werden, wie z.B. Fulushou (Drei Glücksgötter) und Zao Shen, der Küchengott, der am Herd sitzt. Die bedeutenderen Zeremonien werden von taoistischen Priestern geleitet, während die kleineren rituellen Feierlichkeiten auch den örtlichen, spezialisierten Rezitatoren, die üblicherweise die Bestattungsriten durchführen, sowie den Fashi (Zauberern) überlassen werden können. Sie alle werden auch zu exorzistischen Handlungen und Heilungen herangezogen, wobei den taoistischen Priestern aufgrund ihres umfassenderen Wissens und höheren Status größere Verehrung zuteil wird.
(…)
Im Inneren eines daoistischen Tempels in Cebu City auf den Philippinen. Bildquelle: Wikipedia / größere Bildauflösung
Die taoistische Religion bewahrte die Tradition der kontemplativen Mystik, die zum Teil von der taoistischen Philosophie abgeleitet wurde. In Taiwan und in anderen Ländern werden Atemübungen und andere dem Yoga verwandte Praktiken eingesetzt. Da der menschliche Körper als verkleinertes Abbild der äußeren Welt betrachtet wird, gibt es Praktiken, die darauf ausgerichtet sind, die im Menschen innewohnenden Götter meditativ zu suchen.
Das Buch der Wandlung ist einer der chinesischen Klassiker des Konfuzianismus, es fand für Weissagungen und als moralisches, philosophisches und kosmologisches Kompendium Verwendung.
Weiterführende Literatur:
Show On Map | Posted in Allgemein, Buddhismus, Recherche, Religion, Taoismus, geomashup | No Comments »