Der Koran (allgemeines)
Januar 31st, 2007 by Felix Hardmood BeckDer Koran (arabisch al-Qur’an: Lesung, Vortrag oder Vorzeit), heilige Schrift des Islam (570-650 n. Chr.). Nach muslimischem Glauben enthält der Koran eine Reihe von Offenbarungen, die Gott (Allah) an seinen Propheten Mohammed zwischen 608 und 632 in Mekka und Medina richtete.
![]()
Die erste Sure al-Fatiha in einer Handschrift von Hattat Aziz Efendi (Transkription und Übersetzung); Bildquelle: Wikipedia / höhere Auflösung
Die Offenbarungen, die in Arabisch erfolgten, sind nach allgemeiner Ansicht der Muslime Eingebungen des Engels Gabriel (Jibrail oder Jibril). Diese wurden zunächst nur mündlich überliefert. Nach dem Tode Mohammeds 632 n. Chr. begannen seine Nachfahren die Offenbarungen zu sammeln bis sie schliesslich um 650 unter dem dritten Kalifat des Othman zum Koran zusammengestellt wurden, der in seiner Form heute noch gültig ist. Da Schriftarabisch gewöhnlich nur aus Konsonanten besteht, nicht aber aus Vokalen, wurden letztere erst später in den Text eingefügt. Um das 10. Jahrhundert nach unserer Zeitrechnung (4. Jahrhundert nach islamischer Zeitrechnung) gab es verschiedene „Lesarten“ (d. h. Schreibungen mit Vokalen) des anerkannten konsonantischen Textes, von denen sieben als gleichwertig galten.
Der Koran ist in 114 Abschnitte (Suren) eingeteilt, jede davon mit einer eigenen Überschrift versehen. Die Abschnitte sind in Verse (ayas) eingeteilt. Die Verseinteilung ist jünger als die Einteilung in Abschnitte und in den verschiedenen Textausgaben nicht immer gleich. Die Länge des Korans entspricht ungefähr der des Neuen Testaments. Die Abschnitte sind nicht chronologisch nach dem Zeitpunkt ihrer Offenbarung an Mohammed angeordnet, sondern nach ihrer Länge. So besteht die zweite Sure aus 287 Versen, wohingegen die letzte Sure sechs Verse umfasst.
Der Koran ist in Reimprosa geschrieben und gilt als das älteste arabische Prosawerk. Er besteht zum grössten Teil aus Verordnungen und Empfehlungen, Warnungen vor dem Ende der Welt und Ankündigungen des Jüngsten Gerichts. Gleichzeitig enthält er Erzählungen von früheren Propheten, in die sowohl biblische als auch jüdische und christliche Traditionen einflossen, wobei viele Einzelheiten der Geschichten aus den jüdischen und christlichen Apokryphen stammen. Darüber hinaus umfasst der Koran Regeln zum religiösen Leben sowie zu Heirat, Scheidung und Erbangelegenheiten. Die grundlegende Botschaft des Korans ist, dass es nur einen Gott gibt, der Schöpfer aller Dinge ist. Er ist ein gnädiger Gott, der immer wieder Propheten zu den Menschen sendet. Diese treffen jedoch auf verstockte Menschen, die sie abweisen, die Gott aber für ihr Verhalten bestraft.
Der Koran, der als das von Mohammed empfangene Wort Gottes angesehen wird, steht im Zentrum des Islam (vgl. Blogeintrag vom 30.Januar 2007) und hat eine ähnliche Bedeutung wie die Thora für die Juden (vgl. Blogeintrag vom 31. Januar 2007). Zur traditionellen Erziehung gehört das Auswendiglernen von Textpassagen, die auch beim täglichen Gebet rezitiert werden. Gleichzeitig bildet der Koran für die Muslime eine der beiden Hauptquellen des islamischen Rechtes (die andere ist bei den Sunniten< seit 950 n. chr.> die Sunna des Propheten, während bei den Schiiten die Urteile der Imame eine zusätzliche Rechtsquelle darstellen). Ohne die ihn begleitende Tradition der Auslegung wäre vieles im Koran unverständlich. Sogar die Ansicht, er enthalte eine Reihe von Offenbarungen an Mohammed, stützt sich auf die Überlieferung, denn im Koran selbst wird dieser Lehrsatz nicht explizit ausgesprochen.
Die Auslegung des Korans (traditionell als tafsir bezeichnet) ist ein Gebiet muslimischer Gelehrsamkeit, die seit den Tagen der Einführung des Korans als der heiligen Schrift der Muslime bis auf den heutigen Tag praktiziert wird. Das früheste bedeutende Werk eines Tafsir ist dasjenige des Al-Tabari (gestorben 923).
Die erste Übersetzung in eine europäische Sprache war die lateinische Version des englischen Gelehrten Robert von Ketton 1143 auf Geheiss von Petrus Venerabilis, um die Lehre des Islam mit Gegenargumenten abzulehnen, was jedoch bis heute fehlschlug. Die erste englische Version erschien 1649 auf der Grundlage einer früheren französischen Übersetzung. Die erste unmittelbare englische Übersetzung aus dem Arabischen stammt von George Sale und erschien 1734. Heute steht eine Vielzahl von verschiedenen Übersetzungen zur Verfügung.
Weiterführende Quellen:
Show On Map | Posted in Allgemein, Islam, Recherche, Religion, geomashup | 1 Comment »
Oktober 1st, 2011 at 12:16
[...] (die erste und die beiden letzten) steht die längste am Anfang, die kürzeste am Ende des Koran.Die Suren sind in Verse eingeteilt. Insgesamt enthält der Koran 6236 Verse. Die Anordnung der 114 S…gedeutet werden: Mit Ausnahme von drei Suren (die erste und die beiden letzten) steht die längste [...]