Der Pilgerstab

Februar 7th, 2007 by Felix Hardmood Beck

Siehe auch: Christliche Pilgersymbole und Pilgerkleidung (29.01.07),
Begriffserklärung: Wanderstock und Stenz (07.02.07)
oder weitere Einträge aus der Kategorie “Pilgerstab”.

Der Pilgerstab ist meist übermanns hoch, oftmals mit einer Eisenspitze und einer Kugelförmigen geschnitzten/gedrehten Verdickung am oberen Ende versehen. Das Gesetz “No se pue traer baston con hierro” besagte im Mittelalter in Spanien, das es verboten sei mit Eisenspitzen beschlagene Stöcke zu tragen. Derartige Stäbe galten als erzunehmende Waffe (vgl. Ohler S. 85). Dieses Gesetz könnte heute u.a. auf damalige Fremdenfeindlichkeit, hervorgerufen durch entsprechende Erfahrung mit “falschen” Pilgern, zurückzuführen sein. Für eine solche Deutung spricht auch die Absicht des Simplicissimus, er hätte sich mit seinem “kräftigen Pilgerstab…trefflich gewehrt” (vgl. Ohler S. 85).

Aufgrund seiner Länge galt er historisch als Verlängerung der Hand oder des Zeigefingers, Stütze oder Waffe. Viele heute nur noch symbolisch gebräuchliche Stäbe leiten sich aus dieser Eigenschaft ab, z.B.:

  • Hirtenstab, sog. “Krummstab” römisch-katholischer Bischöfe – Ein ähnlicher Stab zählte bereits zu den Insignien der Pharaonen und römischen Auguren, die u. a. das Geschick aus dem Vogelflug deuteten. Älteste Darstellungen zeigen den ägyptischen Gott Osiris, der als Hirte der Seelenherden mit dem Hirtenstab abgebildet wurde. Der Stab gilt als Zeichen der Autorität. Seine Herkunft wird von dem italisch-etruskischen Hirtenstab abgeleitet. Kaiser Konstantin erteilte im 4. Jahrhundert den Bischöfen durch das privilegium fori die Erlaubnis als Zeichen geistlicher und weltlicher Rechtsprechung einen dem Augurenstab ähnlichen Stab zu tragen. Zu den ersten Erwähnungen zählt der Hirtenstab, den der Erzbischof von Canterbury dem Abt Theodor von Canterbury verlieh. Erstmals bezeugt wurde der Amtsstab um das Jahr 600 bei der Weihe des Heiligen Kolumban. Der eigentliche Krummstab verbreitete sich in seinem Gebrauch vor allem bei kirchlichen Würdenträgern im 7. Jahrhundert in Spanien und Frankreich, außerhalb der Liturgie als Symbol der Gerichtsbarkeit (vgl. auch untere Abbildungen).

    Bildquelle links: Wikipedia; Bischof Busso von Havelberg mit Krummstab in der Hand, auf dem Wappen und als Schildzier
    Bildquelle rechts: Wikipedia; Abt Wilhelm von Hirsau († 1091)
  • Marschallstab Die Bezeichnung Marschall kommt aus dem Fuhrpark der mittelalterlichen Fürsten. Der “Marstall” war das Gebäude, in dem Pferde samt Zubehör aufbewahrt wurden. Der “Marschall” war der Pferdeknecht oder Stalldiener. Im Französischen heißt “marechal” der Hufschmied. Später wurde aus dem Marschall der Stallmeister und weiter wurde er zum hohen Hof- oder Reichsbeamten.
    An fürstlichen Höfen hieß der Oberaufseher der inneren Haushaltung, der Hofdienerschaft und der Hoffeste “Hofmarschall”. Während der Reisen des Hofes war er Oberstallmeister und Führer der beweglichen Habe des Fürsten. Bei feierlichen Gelegenheiten trug der Hofmarschall einen langen Stab als Zeichen seiner Würde und machte bei Hof an der Marschallstafel, einer Nebentafel für die Personen, welche nicht an der fürstlichen Tafel selbst Plätze erhielten, den Wirt. Die Person des Hofmarschalls mit dem langen Stab sieht man heute noch am englischen Hof. Aus dem Marschallstab (Kommandostab) wurde im Mittelalter ein Würdeabzeichen der höchsten militärischen Befehlshaber. Beim Militär ist Generalfeldmarschall (auch “Feldmarschall”, “Marschall der Armee” o.dgl.) der höchste Dienstgrad (siehe untere Abbildung).
    Bild vom Marshallstab
    Bildquelle: Wikipedia; Preußischer Marschallstab von 1895 wurde als Insignie der Würde getragen; höhere Auflösung)
  • Äskulapstab – von einer Schlange umwundener Stab. Er ist heute das Symbol des ärztlichen und pharmazeutischen Standes; ähnlich dem Hermesstab als Symbol der Griechischen Mythologie (vgl. untere Abbildung).

    Bildquelle: Wikipedia; höhere Auflösung
  • Kreuzstab oder auch die Ferula ist der im Katholizismus dem Papst vorbehaltene Stab, der statt der Krümme des Krummstabes gewöhnlicher Bischöfe ein Kreuz zeigt. Der Legende nach trug schon Petrus einen solchen Kreuzstab, den er den drei Missionaren Eucharius, Maternus und Valerius mitgab. Der Stab wurde später zwischen den Erzbistümern Köln und Trier aufgeteilt. Nach der Neugliederung der geistlichen Fürstentümer im 19. Jahrhundert kam der Stab in den Domschatz der Diözese Limburg, wo er noch heute verwahrt wird. Allerdings wird der Stab bei jeder Inthronisation eines neuen Trierer Bischofs diesem symbolisch überreicht. Sicher ist, dass Päpste schon früh einen solchen geraden Stab trugen. Nachdem der Krummstab zum Insignium der Hirtengewalt der Bischöfe wurde, erhielt der Papst die Ferula, mit einem Kreuz statt einer Krümme. Ähnlich wie bei den Patriarchen das Patriarchenkreuz wurde ihm der Stab mit dem Kreuz vorangetragen. Nur bei Kirchenweihen nahm er ihn selbst in die Hand, um das Alpha und Omega in den Boden der Kirche zu ritzen. Erst Paul VI. nutzte die Ferula wieder wie ein Bischof seinen Krummstab, in dem er ihn selbst bei Messen in der Hand hielt. Die Ferula Papst Pauls VI. ist ein Werk des italienischen Bildhauers Lello Scorzelli. Sie ist auf seine Nachfolger übergegangen./ Abbildung)
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