Gegensatz von Spazier- und Trekkingstöcken

Februar 11th, 2007 by Felix Hardmood Beck

Bild von Carl Spitzweg (Bildquelle: Wikipedia / höhere Auflösung; „Der Sonntagsspaziergang“ von Carl Spitzweg um 1841, Öl auf Holz, 28,2 x 34,2 cm, Salzburg, Museum Carolino – Augusteum, Inv.-Nr. 3/31)

Eigentlich stehen der Spazier- und der Trekkingstock im Gegensatz zu einander: Der Spazierstock gilt als “historisches Accessoire” des Spaziergangs, bei dem nicht der Nutzwert sondern das Aussehen im Vordergrund steht (-> Wikipedia: dekorative Stöcke / -> Wikipedia: Volkskunststöcke). Der Trekkingstock ist eine durch Materialien und Technik auf den heutigen Nutzen des schnellen Wandern angepasster Wanderstock (vgl. auch Blogeintrag vom 07.02.07 über den Wanderstock und die anderen Einträge der Kategorie Pilgerstab). Interessant sind auch sogenannte Systemstöcke oder Gerätstöcke, welche mit einem Doppel- oder versteckten Zweck, wie einer Klinge, einer Whiskyflasche und -glas ausgestattet sind. Oft von Ärzten getragen enthielt der Gehstock Scalpels und Spritzen. Mehr als 1500 Patente für Gerätstöcke (z.B. Stockschirm, Stockdegen, Stockpistole) wurden während des 18. und 19. Jahrhunderts beantragt, so läßt sich der Schluß ziehen, dass Stöcke der jeweiligen Epoche viele Rückschlüsse über damalige Lebensumstände und Gepflogenheiten zu lassen.

Der Spazierstock im engeren Sinne hat einen rund gebogenen Griff, der gut in der Hand schwingt, und eine Stahl- oder Eisenspitze. Die selteneren Damenstöcke sind zierlicher und häufig schmuckvoll gestaltet. Der männliche Spaziergänger schwang den Spazierstock im Rhythmus des Gehens. Dabei fasste die Hand nur locker um den Griff, hielt ihn nach dem Nach-Oben-Schwenken etwas fest oder bremste den Abschwung etwas, da der Stock sonst asynchron zu früh zu Boden geschwungen wäre, stieß ihn dann in den Boden und zog ihn mit dem Vorschwingen des Arms wieder heraus, dem er dann nach vorne und oben folgte. Die Arme wurden dabei genau so geschwungen wie ohne Stock. (Große Könner konnten den Stock auch schwingen, ohne dass er den Boden berührte.)

Die Rolle des Stocks als Zeichen des sozialen Status nahm während des 17. und 18. Jahrhunderts stark zu, als Könige und Aristokraten die mit kostbaren Juwelen und edlen Metallen verzierten “Accessoirs” in die Gesellschaft einführten. Das Begehren, den eigenen Status mittels kleiner aber feiner Details zu unterstreichen, führte dazu, die Kreativität auch auf dieses Gebiet auszudehnen. So ist es nicht verwunderlich, dass Portraits von Königen und Aristokraten häufig Gehstöcke aus Gold oder Silber zieren, die zusätzlich mit Edelsteinen besetzt sind.

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Bildquelle: Zinnstube Ag

20. Jahrhundert setzte sich der Gehstock auch beim Mittelstand der Bevölkerung durch. Vornehme Herren aus Adel und Bürgertum wurden in der Öffentlichkeit selten ohne einen Spazierstock in der Hand gesehen, Damen benutzten meist einen Schirm als Alternative. Die industrielle Revolution, die in Europa zur Mitte des 19. Jahrhunderts ihren Einzug hielt, verstärkte die Beliebtheit des Stocks enorm, da auf Grund von maschinellen Fertigungsmethoden der Preis eines Spazierstocks nun auch für einen Normalbürger bezahlbar war. Stöcke dienten jetzt nicht mehr in erster Linie als Gehhilfe, allenfalls als Stütze, um eine gerade Körperhaltung zu gewährleisten. Hauptzweck war es, die optische Erscheinung des Spaziergängers zu unterstreichen, dazu wurde der Stock ähnlich wie Hut und Handschuhe meist passend zur Kleidung gewählt. Um den sozialen und wirtschaftlichen Stand hervorzuheben, wurden teurere Spazierstöcke oft aus edlen Materialien gefertigt, beispielsweise mit Silbergriff oder -knauf, manchmal auch mit kunstvoll geschnitztem Griff, etwa in Form eines Tierkopfes. In der Zeit der ersten Reisen zu Sehenswürdigkeiten wurden diese besuchten Orte als bunte Bild-Plaketten mit kleinen Stocknägeln an den Spazierstöcken dokumentiert.

Bild von Charlie Chaplin Bildquelle

Nach dem ersten Weltkrieg begann die Abwertung des Spazierstocks. In seinen Filmen benutzte Charlie Chaplin den dünnen Spazierstock nur noch als Karikatur eines Accessoires der bürgerlichen Gesellschaft. Nach dem 2. Weltkrieg diente der Spazierstock meist nur noch als Spassutensil (mit Fahrradklingel, Flaschenhalter etc). Inzwischen wird der Spazierstock überwiegend als überflüssiges oder störendes Utensil angesehen, für den normalen Spaziergang entbehrlich, das zudem den Träger dem Verdacht aussetzt, an einer Gehbehinderung zu leiden (vgl. Bloeintrag vom 11.02.07 über Krücken und andere Gehhilfen).

Beim Trekkingstock handelt es sich meist um hohle Stäbe aus Leichtmetall, Faserverbundkunststoff oder Kombinationen dieser Materialien. Der Durchmesser des Stabes liegt in der Regel in einem Bereich von einem bis zwei Zentimetern. Für den Transport oder das Verstauen im Rucksack können zwei oder drei Teile teleskopartig ineinander verschoben werden. Das untere Ende ist üblicherweise auf einer Länge von 5-10 cm konisch geformt und läuft in einer harten Spitze aus auf die ein Spitzenschoner aus Gummi aufgesetzt werden kann (vergleiche Abbildung weiter unten). Etwa eine Handbreit oberhalb der Spitze sitzt ein sogenannter Teller der verhindert, dass der Stock beim Einsatz zu tief in den Untergrund eindringt. Der Teller hat – je nach Einsatzzweck – unterschiedliche Form und Größe.


Bildquellen: www.sportabteilung.de (Link vom 11.02.07))

gumminöppel
Bildquellen: www.sportabteilung.de (Link vom 11.02.07)); Ein Spitzenschoner aus Gummi schützt die Wanderstock-Spitze vor Verschleiß/Abnutzung und gibt besserer Griff auf Granit und Fußwegen – kein klappern mehr auf Stein durch Stahl-Spitze. Der Spitzenschoner paßt sich dabei dem Stock-Laufwinkel an. Meist vorhanden in 2 Durchmesser: schmal für Spitzenenden ca.5-7mm, mittel für Spitzenenden ca. 7-12mm.

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One Response

  1. PILGRIMAGE » Blog Archive » Wanderstockplaketten Says:

    [...] Wanderstockplaketten Februar 15th, 2007 by Felix Hardmood Beck Siehe auch weitere Blogeinträge aus der Kategorie Pilgerstab und die Einträge vom 11.02,07: Der Unterschied von Spazier- und Trekkingstöcken. Bildquellen: ebay [...]

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