Palos del Pastor

März 26th, 2007 by Felix Hardmood Beck

Der Sprung (span.: salto) mit dem kanarischen Hirtenstab ist eine traditionelle Fortbewegungsmethode auf den kanarischen Inseln. Sie besteht in der Benutzung eines Stabes (u.a „astia“, „lanza“, „garrote“ , „lata“ oder „asta“ genannt), den der kanarische Ziegen- oder Schafhirte seit undenklichen Zeiten kennt um sich in der Fortbewegung zu helfen. Die Sprungtechnik und die Naturlandschaft in der sich der „salto“ entwickelt hat, haben sich bis heute erhalten. Bisher wurde noch nicht erforscht, ob diese Praxis von den ersten Siedlern des Archipels eingeführt wurde oder erst hier entwickelt wurde. Auf jeden Fall hat man in allen Hirtenkulturen Stäbe benutzt um sich beim Laufen zu helfen.
Auf den Kanarischen Inseln hat sich der Sprung mit dem Hirtenstab, begründet in der Notwendigkeit, zu einer charakteristischen und ausgefeilten Technik entwickelt. In der Vergangenheit war die Benutzung des Hirtenstabs weiter verbreitet in der Bevölkerung, in den letzten Jahren blieben nur die Ziegen- und Schafhirten, die ihn weiterhin benutzten. Heute erfolgt die Benutzung nicht mehr aus der Notwendigkeit heraus (früher = Arbeitsinstrument), sondern in Form von Spiel, Nervenkitzel, Naturverbundenheit und Erhaltung der Tradition. Bewußt wird sich vom Massensport, vom Unterhaltungsspektakel und vom Wettbewerb distanziert.

Sei 1994 wurden Vereine („jurrias“ oder „colectivos“ genannt) gegründet, mit dem Ziel als sportliche Aktivität anerkannt zu werden, für den Sprung mit dem Hirtenstab werben und ihn auch zu unterrichten. 1997 unternahm man die ersten Schritte zur Gründung einer kanarischen Föderation. Die Vereine für den Sprung mit dem Hirtenstab beginnen ergänzende Aktivitäten zu organisieren, wie Kurse, Zeltlager, Zusammenkünfte, Vorträge und Kongresse. Sie agieren in der Praxis wie Kulturvereine.

„Sie stürtzen sich mit der Lanze, der Länge nach vor des Mannes Körper gehalten, dreigeteilt derart, dass sie das untere Drittel zuerst auf der Erde oder dem Fels in Berührung bringen, mit einer Eisenspitze die die Lanze trägt, welche eine Handspange lang ist mit ihrem Schaft, ohne das sie vom Ort der Bodenberührung abrutschen; aber selbst aus dreifacher Lanzenhöhe stürtzen sie sich in die Tiefe und landen mit solcher Leichtigkeit auf dem Boden
als wären sie Vögel.“
GASPAR FRUCTUOSO (16. Jahrhundert) Las Islas Canarias (“De Saudades da Terra”)……..

„ Die Bauern beherrschen die Kunst von Fels zu Fels zu springen wenn Sie reisen; die Methode ist folgende: der Mann trägt einen langen Stab oder Lanze, mit einer Spitze am Ende und wenn er von einem Fels zu einem anderen hinab will, zielt er mit der Spitze seiner Lanze auf den Punkt auf den er springen möchte, stürtzt sich über sie und treibt die Spitze der Lanze derart in den in den Boden, dass sie senkrecht steht und lässt sich dann an ihrer Länge langsam zum Boden herabgleiten.“ GEORGE GLASS, Descripción de las Islas Canarias 1764 2ª Edición. Tenerife: Goya Ediciones 1982.

Bild- und Textquelle (leicht geändert und gekürzt): www.saltodelpastorcanario.org

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