Geocaches als moderne Reliquien

März 29th, 2007 by Felix Hardmood Beck

Siehe auch weitere Blogeinträge zum Thema Geocaching


Bildquelle: Wikipedia; „Offiziell“ gekennzeichneter Geocache

Geocaching (gr. γη, ge „Erde“, engl. cache: „geheimes Lager, Depot“, gesprochen: ['ʒiːokɛʃɪŋ]) wird heute meist als Spiel im Sinne einer GPS-Schnitzeljagd gesehen — eine Art elektronische Schatzsuche. Die Verstecke („Caches“) werden anhand geographischer Koordinaten im Internet veröffentlicht und mit Hilfe eines GPS-Empfängers gesucht. Ein Cache ist in der Regel ein wasserdichter Behälter, in dem sich ein Logbuch sowie verschiedene Tauschgegenstände befinden. Jeder Besucher eines Caches trägt sich in das Logbuch ein, um seinen Besuch zu dokumentieren. Anschließend wird der Cache wieder an der Stelle hinterlassen, an der er zuvor gefunden wurde. Der Fund wird auch im Internet auf der zum Cache gehörigen Seite vermerkt und gegebenenfalls durch Fotos ergänzt. So können auch andere Personen – insbesondere der Owner (derjenige, der den Geocache erstmalig hinterlegt hat) – die Geschehnisse rund um den Cache beobachten.

Ich wage es das Geocaching, mit Ursprung in Technik und Wissenschaft, als Neoreligion zu bezeichnen und sehe eine direkte Vergleichsmöglichkeit zum mittelalterlichen Pilgern. Dabei nimmt das Procedere des Geocachings die Form der Pilgerreise an, das Geocaching gleicht auf moderne Art der Reliquienverehrung. Unbekannte Orte werden durch das Vorhandensein von (neo-religiös aufgeladenen) Objekten zum Anziehungspunkt. Es geschieht eine scheinbare Aufwertung des Ortes. Menschen (mag man sie ruhig als Pilger bezeichnen) machen sich auf den Weg zu diesen Orten, um den Caches nahe zu sein und der Hoffnung diesen zu berühren oder gar mitzunehmen.
Dabei fallen damals wie heute Zeitgeschehen (vorherrschende Infrastruktur, wachsende Mobilität etc) und ein übersteigerter (neo-)religiöser Antrieb zusammen.

Motive der Neo-, als auch der mittelalterlichen Pilger (vgl. auch Blogeintrag vom 15.Februar 2007 zu den Motiven der Wallfahrt früher und heute) sind dementsprechend:

  • Religion
  • Besuch heiliger Stätten (u.a. durch Gelübde, heute = Wetten)
  • Nachahmung, Flucht
  • Abenteuerlust, Wunsch nach Unterhaltung
  • Parallelen bei der Herangehensweise und Durchführung wären folgende:

  • Verbreitung des (Neo-)Glaubens
  • Erfahrung von Hife (=Zwischenmenschlichkeit)
  • Treffen auf Gleichgesinnte
  • Offizielle Anerkennung, Beweis und Bestätigung für Besuch des Ortes

  • Bild links: Bildquelle Wikipedia; Bild rechts: Bildquelle Wikipedia

    Caches werden üblicherweise jeweils mit einer Angabe zum Schwierigkeitsgrad der Wegstrecke und des Geländes (terrain), und zum Schwierigkeitgrad der mit dem Cache verbundenen Aufgaben (difficulty) bewertet. Hiermit lässt sich ungefähr andeuten, wie aufwändig die Suche ist. Besonders hervorzuheben sind Caches, die nur mit spezieller Ausrüstung erreichbar sind. Dies kann von einer einfachen Taschenlampe bis hin zur Bergsteiger- oder Tauchausrüstung) reichen. Die große Mehrheit an Caches erfordert aber nur einen GPS-Empfänger und Zeit.

    Mögliche Elemente einer Cache-Suche können das Lösen von Rätsel- oder Rechenaufgaben, das Erklettern von Bäumen oder das Erkunden von Grotten und Höhlen sein.

    Caches lassen sich anhand ihrer Aufgabenstellung in verschiedene Kategorien unterteilen, die wichtigsten sind:

  • Der „einfache“ Cache (Traditional-Cache), bei dem direkt die Position des Verstecks angegeben ist.
  • Mehrstufige Caches (Multi-Cache oder Offset-Caches), bei denen man mehrere Orte mit Hinweisen auf den jeweils nächsten Ort bzw. das eigentliche Versteck aufsuchen muss.
  • Rätsel-Caches (Mystery-Caches), die schon im Vorfeld eine Recherche bzw. Knobelei erfordern.
  • Virtuelle Caches (Virtueller Cache), bei denen weder ein Cachbehälter noch ein Logbuch vorhanden sind.
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