Reliquienrecherche
März 29th, 2007 by Felix Hardmood BeckEine Reliquie (lateinisch: Überbleibsel) ist (laut der, mir heilbringenden Wikipedia) ein Gegenstand religiöser Verehrung, besonders ein Körperteil oder Teil des persönlichen Besitzes eines Heiligen. Eine Sonderform sind Berührungsreliquien, also Gegenstände wie Kleidungsstoffe, mit denen der Heilige in Berührung kam oder gekommen sein soll. Reliquienverehrung findet sich in fast allen Hauptreligionen – ist auch im Islam und Judentum zu finden, ihr Platz in der Religion ist jedoch durchaus umstritten.

Bild links: Bildquelle Wikipedia / höhere Auflösung; Sandalen Jesu – Reliquie aus der Abtei Prüm (Eifel) / Bild rechts: Bildquelle, Die Düsseldorfer Reliquien des hl. Apollinaris, geöffneter Reliquienschrein
Im Christentum (Katholizismus und Orthodoxie) ist die Reliquienverehrung eine der ältesten Formen der Heiligenverehrung und schon im mittleren 2. Jahrhundert eindeutig nachweisbar, lange vor z.B. Ikonen- oder anderen Heiligenbilder-Verehrungen. Im Protestantismus wird die Reliquienverehrung bereits seit der Zeit Martin Luthers größtenteils abgelehnt. Evangelikale Christen sehen sie als unbiblisch an, Religionsgemeinschaften wie die Adventisten und die Zeugen Jehovas sogar als Götzendienst.
Reliquien werden nach unterschiedlichen Klassen kategorisiert und je nach Wunderwirkung und Lage des Aufbewahrungsortes (Reliquiar) mehr oder weniger von Pilgern während der Wallfahrten frequentiert. Hauptsächlich im Mittelalter war es unter Christen verbreitet Reliquien weiter zu schenken. Wichtige Persönlichkeiten der Christenheit die mit Klöstern in Kontakt waren, bekamen oftmals Reliquien geschenkt. Somit entstanden Sammlungen von verschiedensten Reliquien, die oftmals über Jahrhunderte zusammengetragen wurden.

Bildquelle: Wikipedia; Reliquienschrein in Form einer Basilika, Köln, 1. Hälfte 13. Jahrhundert
Die älteste Form des Reliquiars ist der Reliquienschrein. Dabei handelt es sich um einen meist reich geschmückten, dem Sarkophag des Heiligen entsprechenden Kasten in Originalgröße oder miniaturisierter Ausführung. Unter den Pilgern des beginnenden Spätmittelalters wuchs die Begierde danach, die Reliquien auf ihren Wallfahrten unmittelbarer in Augenschein nehmen zu können; vielfach stellte sich gegenüber den geschlossenen Reliquienkästen ein gewisses Misstrauen ein, zumal Reliquienfälschungen überhand nahmen. Daher wurde zunächst der Typus des sprechenden Reliquiars entwickelt – dabei handelt es sich um Behältnisse, die in ihrer äußeren Form dem Körperteil nachempfunden sind, dessen Überreste sich darin befinden. Reliquiare für Armknochen wurden als goldene Arme gestaltet, Fußreliquiare als goldene Beine, Schädelreliquiare als kostbar geschmückte Reliquienbüsten. Auch die sprechenden Reliquiare wurden von den Gläubigen bald als unbefriedigend empfunden, weshalb man im Spätmittelalter dazu überging, aufwendig gefasste gläserne Behälter zu schaffen, in denen die eigeschlossenen Reliquien für den Betrachter direkt sichtbar waren. Ein solches Schauglas wird je nach Ausführung als Reliquienmonstranz oder Ostensorium bezeichnet. Kleine Reliquiensplitter werden seit dem späten Mittelalter von offiziellen kirchlichen Stellen in spezielle verglaste Kapseln von meist ovaler Form eingeschlossen und anschließend versiegelt oder verplombt, um die Echtheit der enthaltenen Reliquie zu dokumentieren und zu verhindern, dass kleine Reliquien verloren gehen können. Eine solche Kapsel wird als Theca bezeichnet; meist befindet sich in ihr neben der Reliquie ein Zettelchen mit erklärender Beschriftung, die sogenannte Cedula.
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